Die Geschichte
Ein Café, das älter ist als die halbe Straße
Der Kaiser-Wilhelm-Ring ist keine Postkartenstraße. Vier Spuren, Platanen, Büros über den Ladenlokalen, morgens Lieferwagen, abends Taxis. Genau hier hat 1984 ein kleines italienisches Café aufgemacht — und ist nie wieder umgezogen.
Vierzig Jahre später sieht drinnen manches anders aus: neue Stühle, neue Maschine, eine Karte, die gewachsen ist. Anderes hat sich nie bewegt. Der Ofen steht, wo er immer stand. Der Teig bekommt seine Stunden, keine Abkürzung. Und wer bestellt, bekommt wenige Zutaten, die richtig behandelt wurden — nicht viele, die irgendwie zusammenliegen.
Was ein Lokal über vierzig Jahre trägt, sind nicht die Trends. Es sind die Gäste, die wiederkommen: die Frühstücksrunde vom Dienstag, das Team aus dem Bürohaus gegenüber, das Paar, das hier seinen ersten Abend hatte und inzwischen mit Kindern am Nebentisch sitzt. Man muss uns nichts erklären — die meisten Bestellungen kennen wir, bevor sie ausgesprochen sind.
Kaiser-Wilhelm-Ring 10 · seit 1984
09:00 — 11:30
Morgens
Die Maschine läuft warm, der erste Espresso geht an die Theke, draußen wird die Tafel geschrieben. Frühstück bis in den Nachmittag: French Toast, Shakshuka, Stullen mit Smashed Avocado. Wer allein kommt, bekommt den Platz am Fenster.
11:30 — 15:00
Mittags
Der Ring kommt essen. Drinnen Pasta und Pizza in schneller Folge, nebenan der Take-away-Laden mit eigenem Eingang für alle, die nur zwanzig Minuten haben. Vorbestellen, abholen, weiter — ohne Schlange.
18:00 — spät
Abends
Das Licht geht runter, der Ofen wird noch einmal heiß. Aperitivo, Antipasti-Platte, Carpaccio, ein Rumpsteak, ein Glas Rot. Freitag und Samstag bis Mitternacht — und niemand wird zum Gehen gedrängt.